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Privates Auto für dienstliche Fahrten als AN absetzen

| Preis: 47 € | Steuerrecht
Beantwortet von Rechtsanwalt und Mediator Christian Joachim

Hallo Herr Joachim,

ich arbeite als Angestellter im Vertrieb und bekomme für die dienstliche Nutzung meines Privatautos eine Kompensationszahlung. In den letzten mehr als 20 Jahren habe ich meine privat gekauften Autos , welche ich für Firmenfahrten genutzt habe und nutze, bei der Steuererklärung absetzen können. Dazu habe ich eine Einzelkostenaufstellung und als Nachweiß über die dienstlichen Fahrten die Spesenabrechnung bei meiner Firma, auf Anforderung des FA eingereicht. Meine Firma erstattet mir pro Monat eine Kompensationszahlung die voll versteuert wird. Für 2016 verlangte das FA nun ein Fahrtenbuch. Auf meine Anfrage warum ich den jetzt ein Fahrtenbuch vorlegen solle und warum jetzt nicht mehr der Nachweis meiner Spesenabrechnung ausreicht, verwies mich meine Finanzbeamtin nicht auf den Hinweis , das Fahrtenbuch schon mal 2012 in einem Briefwechsel erwähnt zu haben. Leider hat mein geführtes Fahrtenbuch aber nicht den Anforderungen des FA genügt und somit wurden mir die kompletten Werbungskosten, ca. €16500, für diese Position gestrichen. Ich habe zwar ein Fahrtenbuch geführt , aber jeden Monat ein einzelnes Blatt, die ich später zusammengeheftet habe - das hatte ich in der Vergangenheit immer so gemacht. Das Auto war 2016 im vorletzten Jahr der Abschreibung (6 Jahre AFA)

In diesem Zusammenhang würde ich gerne wissen wollen, ob ich die Abschreibung aus 2016 mit nach 2017 nehmen kann oder besser, ob nicht das FA oder ich die Dienstkilometer aufgrund der letzten Jahre schätzen lassen kann. Vielleicht ist ja auch das Vorgehen des FA nicht rechtens, was ich aber selbst nicht glaube. Natürlich könnte ich mir auch von den einzelnen Kundenbesuchen durch den Kunden den Termin bestätigen lassen, befürchte aber das wird auch nicht reichen.

Für 2017 hatte ich zum Glück ein Originalfahrtenbuch, das steuerlich anerkannt ist, gekauft und genutzt.

Viele Grüße, M. O.


Sehr geehrter Fragesteller,

zunächst bedanke ich mich für die Verlängerung der Deadline und bitte noch einmal um Nachsicht. Ich darf Ihre Fragen nunmehr wie folgt beantworten:

Zunächst sollten Sie in jedem Fall Einspruch gegen den Bescheid des Finanzamtes innerhalb der Monatsfrist nach Zugang des Bescheides einlegen.

Ich verweise auf die entsprechende Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid.

Sofern in den Vorjahren das Fahrtenbuch, so wie Sie es bisher geführt haben durch das Finanzamt akzeptiert worden ist, dürfte ein gewisser Vertrauensschutz vorhanden sein und das Finanzamt hätte vorab darauf hinweisen müssen, dass die Art und Weise des Fahrtenbuchs so nicht korrekt ist. Allerdings sollte auch dies überprüft werden, insbesondere auch im Hinblick auf die entsprechenden Datierungen auf den Blättern, so dass möglicherweise jedoch eine Berücksichtigung stattfinden kann.

Falls dem nicht so ist, werden Sie die Fahrten aus dem Jahr 2016 nicht mit in das Jahr 2017 nehmen können, da es einerseits nach der Auffassung des Finanzamtes hier an einer wirksamen Fahrtenbuchmethode fehlt bzw. die entsprechenden Belastungen gerade auch lediglich im Jahr 2016 entstanden sind.

Abschreibungen können Sie allerdings möglicherweise weiter geltend machen, das bedeutet hier ggf. die Abschreibung für das Fahrzeug, sofern sie gegenüber dem Finanzamt nachweisen, dass das Fahrzeug auch zu beruflichen Zwecken genutzt wird. Allerdings müssen Sie sich dann die entsprechende Privatnutzung möglicherweise anrechnen lassen.

Hinsichtlich der Anerkennung des Fahrtenbuchs kommt es darauf an, dass Sie gegenüber dem Finanzamt nachweisen können, dass hier keine Zwischeneintragungen erfolgt sind bzw. Eintragungen nicht erfolgt sind.

Dies kann man zwar durch Zeugenaussagen versuchen, dies dürfte allerdings schwer werden. Besser wäre möglicherweise die Darstellung der Plausibilität der Aufzeichnungen geeignet, nämlich als dass Sie darstellen, dass keine anderen Fahrten zwischen den Fahrten erfolgt sein können, anhand der entsprechenden Aufzeichnungen.

Die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist leider in diesem Zusammenhang relativ klar:

Nach dem BFH-Urteil vom 9.11.2005 (VI R 27/05, BStBl II 2006, 408) muss ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch zeitnah und in geschlossener Form geführt werden und die zu erfassenden Fahrten einschließlich des an ihrem Ende erreichten Gesamtkilometerstands vollständig und in ihrem fortlaufenden Zusammenhang wiedergeben. Lose Notizzettel können daher schon in begrifflicher Hinsicht kein »Fahrtenbuch« sein (BMF vom 18.11.2009, BStBl I 2009, 1326, Rz. 24). Nach dem BFH-Beschluss vom 12.7.2011 (VI B 12/11, BFH/NV 2011, 1863, LEXinform 5906328) ist es nicht klärungsbedürftig, ob lose handschriftlich geführte Aufzeichnungen abgeglichen werden können, da nach der ständigen Rspr. des BFH bereits lose geführte Aufzeichnungen nicht den Anforderungen an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch genügen (s.a. Anmerkungen vom 12.6.2012, LEXinform 0632870 und vom 13.8.2013, LEXinform 0652187).

Der BFH hat in mehreren Entscheidungen die Anforderungen an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch (§ 8 Abs. 2 Sätze 2 bis 4 i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG) näher präzisiert (z.B. Urteile vom 9.11.2005, VI R 27/05, BStBl II 2006, 408; vom 16.11.2005, VI R 64/04, BStBl II 2006, 410; vom 16.3.2006, VI R 87/04, BStBl II 2006, 625). Danach muss das Fahrtenbuch eine hinreichende Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Aufzeichnungen bieten, sodass der zu versteuernde Anteil (Privatfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte) an der Gesamtfahrleistung mit vertretbarem Aufwand überprüft werden kann. Dazu gehört auch, dass das Fahrtenbuch zeitnah und fortlaufend in einer geordneten und geschlossenen äußeren Form geführt wird, die nachträgliche Einfügungen oder Veränderungen ausschließt oder zumindest deutlich als solche erkennbar werden lässt. Demnach reichen etwa laufend, aber lose gefertigte Aufzeichnungen nicht aus (BFH Beschluss vom 13.3.2007, VI B 141/06, BFH/NV 2007, 1132, LEXinform 5903486 sowie Kiermaier, NWB 2013, 2406). (aus Smart Steuer)

Insofern käme es mehr darauf an, als dass das Finanzamt hier einen entsprechenden Vertrauensschutz in der Vergangenheit gesetzt hat und auch die entsprechenden Fahrtenbücher in ähnlicher Form in den Vorjahren akzeptiert hat. Daran sollte man sich gegebenenfalls noch einmal orientieren und das Finanzamt darauf hinweisen in der Einspruchsbegründung.

Möglicherweise lässt das Finanzamt auch eine Schätzung anhand der Aufzeichnungen aus den Vorjahren zu, um zum Beispiel den Vorjahreswert hier anzunehmen, in Zusammenhang mit den lose geführten Fahrtenbuchblättern.

Auch auf diese Möglichkeit sollten Sie das Finanzamt in der Einspruchsbegründung hinweisen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen bis hierher hilfreich geantwortet habe und stehe Ihnen gerne weiter zur Verfügung.

Eine anschließende positive Bewertung freue ich mich.

Viele Grüße

Christian Joachim

Rechtsanwalt

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Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare
Christian Joachim
16.01.2018 10:35 Uhr
Sehr geehrter Fragesteller,

leider habe ich es verpasst Ihre E-Mail in der von Ihnen vergebenen Zeit zu beantworten.

Ich bitte daher höflich um Entschuldigung und bitte, das Zeitfenster noch einmal bis heute Abend zu verlängern. Bis dahin werde ich dann ihre Frage beantworten können. Derzeit ist die Frage für mich allerdings aufgrund des Zeitablaufs gesperrt, so dass eine Beantwortung für mich nicht möglich ist. Daher wäre eine Verlängerung der Zeitspanne durch Sie notwendig.

Vielen Dank für ihr Verständnis und freundliche Grüße

Christian Joachim
Rechtsanwalt
Kunde
22.01.2018 12:52 Uhr
Hallo Herr Joachim, danke für die Antwort. Noch zur Richtigstellung: das FA hat noch nie -bis auf 2016- von mir ein Fahrtenbuch erhalten. Bislang waren die Nachweise über die Spesenabrechnung meiner Firma immer ausreichen. Ändert dieser Sachverhalt etwas an ihrer Aussage ? Ich hatte verstanden das Sie davon ausgehen, das ich die Jahre davor immer ein lose Blattsammlung als Fahrtenbuch abgegeben habe. Ein zweiter Punkt , den ich noch nicht ganz verstanden hatte war in Bezug auf die Abschreibung. Ich habe das Auto bereits 4 Jahre abgeschrieben und auf 6 Jahre geplant. Das fünfte Jahr (2016) ist durch die Nichtanerkennung des Fahrenbuches des FA verloren gegangen oder kann ich die Abschreiung der letzten 2 Jahre 2017 und 2018 vornehmen.

Vielen Dank nochmals, M. O.
Christian Joachim
23.01.2018 08:39 Uhr
Sehr geehrter Fragesteller,

Vielen Dank für ihre Nachfrage.

Sofern das Finanzamt in den vorherigen Jahren ohne entsprechenden Nachweis die Fahrten anerkannt hat, dürfte noch ein größerer Vertrauensschutz bestehen, als wenn das Finanzamt immer ein Fahrtenbuch oder Aufzeichnungen ihrerseits verlangt hätte. Natürlich kann das Finanzamt irgendwann einmal sagen, dass weitere Nachweise vorgelegt werden, eben auch in Form eines Fahrtenbuchs. Meines Erachtens müsste hierauf allerdings vorher ausdrücklich hingewiesen werden, da sie davon ausgehen konnten, auch weiterhin kein Fahrtenbuch zu führen, da eben die entsprechenden Werte alleine durch die Spesenabrechnungen anerkannt worden sind.

Daher müsste auch für das vergangene Jahr dann noch die Spesenabrechnungen ausreichend bzw. die Blattsammlung und erst nach entsprechendem Hinweis dann ein Fahrtenbuch für das zukünftige Jahr geführt werden.

Die Abschreibung kann nur für die Jahre vorgenommen werden, in denen auch entsprechende Berücksichtigung durch das Finanzamt erfolgt sind. Ist es auf sechs Jahre geplant und Sie haben es sieben Jahre genutzt, wird im Jahr 2018 ein Jahr fehlen, so dass Sie zunächst sich bemühen sollten, auch hier die entsprechende Anerkennung und Abschreibung für das Jahr 2016 zu erhalten. Ansonsten sollten Sie versuchen, allerdings wohl mit eher weniger Erfolg, in 2018 hier die Abschreibung nochmals mit einzubringen.

Ich hoffe, dass ich auch ihre Nachfrage hilfreich beantwortet habe und stehen gerne weiterhin zur Verfügung.

Viele Grüße

Christian Joachim
Rechtsanwalt