<p>Marcus Neuzerling sagt &bdquo;Widerst&auml;nde&ldquo; k&ouml;nnen &uuml;berwunden werden.&nbsp;<strong>Der Erstkontakt</strong>&nbsp;zum Psychologischen Berater oder auch zum Psychiater kostet viele Menschen, auch in der heutigen Zeit und gerade in unserem Kulturkreis, noch einige &Uuml;berwindung. Daher wird der erste Kontakt von vielen oft unn&ouml;tig lange hinausgeschoben. &bdquo;Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt&ldquo;, so sagt es ein ber&uuml;hmtes Zitat. Den ersten Schritt zu psychischer Entlastung machen Sie selbst gerade, denn Sie lesen diesen Artikel. Das Angebot an Lebensbegleitung, -Unterst&uuml;tzung und anderen Hilfen ist vielf&auml;ltig. Eines der Angebote anzunehmen, bedarf meist etwas &Uuml;berwindung, und sei es nur den Telefonh&ouml;rer in die Hand zu nehmen. Wenn Sie diesen inneren Widerstand &uuml;berwinden, dann haben Sie bereits den zweiten Schritt Ihres Weges getan. Jeder nachfolgende Schritt f&auml;llt leichter als der erste.</p> <p>Vordergr&uuml;ndig gibt es viele vermeintlich offensichtliche Gr&uuml;nde, um den ersten Kontakt zu einem psychologischen Berater zu vermeiden: falsche Vorstellungen von Psychologischer Beratung, ungute und manchmal als &bdquo;mulmig&ldquo; empfundene Gef&uuml;hle wie Scham, Sch&uuml;chternheit oder Angst vor dem Unbekannten, dem Neuen, der Ver&auml;nderung. Sieht man jedoch genauer hin, entpuppt sich so mancher &bdquo;Grund&ldquo; als gut getarnter Widerstand der Psyche. Je mehr ein Mensch &bdquo;im Kopf&ldquo; ist, desto intelligentere Ausreden wird er vorbringen, um zu begr&uuml;nden, warum gerade er keinen Bedarf an psychologischer Unterst&uuml;tzung hat. Manche Menschen perfektionieren ihr Vermeidungsverhalten soweit, dass sie ihr gesamtes Umfeld &uuml;berzeugen, jedoch &bdquo;irgendwie&ldquo; sp&uuml;ren, dass sie vor allem zu sich selbst nicht ehrlich sind.</p> <p>Um dem zuk&uuml;nftigen Klienten den Zugang zu einem Psychologischen Berater zu erleichtern, sind &bdquo;niedrigschwellige&ldquo; Angebote hilfreich und m. E. unverzichtbar. Ein gewisser Abstand durch Anonymit&auml;t ist sehr hilfreich, um den Erstkontakt zu erleichtern: durch das Internet und dessen Kommunikationsm&ouml;glichkeiten er&ouml;ffnen sich neue Optionen. Dazu geh&ouml;ren eine E-Mail-Kontaktm&ouml;glichkeit, eine Online-Terminvereinbarung und ansprechende, auch f&uuml;r den Laien leicht verst&auml;ndliche Praxis-Websites.</p> <p>Ist der Klient erst einmal in der Praxis eines Psychologischen Beraters zum Erstgespr&auml;ch, ist es gut, sich als Psychologischer Berater bewusst zu machen, dass diesem Schritt bereits einige wichtige und auch mutige Entscheidungen des Klienten vorausgegangen sind. Und jeder dieser Schritte beinhaltet f&uuml;r manche Menschen eine eigene H&uuml;rde, &uuml;ber die sie manchmal nicht hinwegkommen.</p> <p>Gelingt es dem Klienten, im weiteren Anbahnungsprozess und sp&auml;ter dann in den Sitzungen mit Unterst&uuml;tzung des Psychologischen Beraters Fortschritte zu erreichen, geschieht mitunter Erstaunliches. Die Energie, die bisher f&uuml;r das Halten von schwierigen Erlebnissen im Unterbewusstsein ben&ouml;tigt wurde, steht pl&ouml;tzlich anderweitig zur Verf&uuml;gung und ist nun freie Lebensenergie. F&uuml;r viele Menschen ist es oft nach Jahren der Abspaltung von Gef&uuml;hlen, Unterdr&uuml;ckung von Emotionen um jeden Preis oder Verleugnung ihrer Gef&uuml;hle (oder anderer Widerstandsmechanismen) das erste Mal, dass sie sich angstfrei auf ihre wahren Gef&uuml;hle einlassen. Und nicht selten sagen Klienten dann S&auml;tze wie diese:</p> <p>&bdquo;Endlich kann ich &uuml;ber das sprechen,<br /> was mich am meisten besch&auml;ftigt.&nbsp;<br /> Nun darf das heraus, was ich Jahre-<br /> lang, ein Leben lang in mir trug.&ldquo;&nbsp;<br /> &bdquo;Der einfachste Mensch ist immer&nbsp;<br /> noch ein sehr kompliziertes Wesen.&ldquo;</p> <p>Schon bei den ersten Impulsen, sich in einer psychisch schwierigen Situation erstmals professionelle psychologische Hilfe holen zu wollen, melden sich m&ouml;glicherweise genauso viele Gegenimpulse. Von &bdquo;Brauche ich das wirklich?&ldquo; bis hin zu &bdquo;Ich bin doch nicht krank!&ldquo; melden sich die Gedanken und damit auch die Bedenken. Ist jedoch die Erkenntnis weit genug gereift und sind alle Bedenken als innerer Widerstand erkannt oder zumindest ged&auml;mpft, dann kommt die n&auml;chste H&uuml;rde, die es zu meistern gilt:</p> <p>&bdquo;Wie nehme ich Kontakt mit einem Psychologischen Berater auf? Rufe ich an? Melde ich mich auf der Website eines gegoogelten Psychologischen Beraters &uuml;ber ein angebotenes Formular an? Und: wie erkenne ich, dass es der oder die Richtige f&uuml;r mich ist? Soll der Berater ein Mann sein oder eine Frau? Was bedeuten die verschiedenen Bezeichnungen und was ist der Unterschied zwischen diesen?&ldquo;</p> <p>Hinzu kommen noch sehr pers&ouml;nliche Fragen wie: &bdquo;Soll ich es jemandem anvertrauen, dass ich vorhabe, zu einem psychologischen Berater zu gehen?&ldquo; bis hin zu ganz praktischen Fragen: &bdquo;Kann ich die Beratung mit meiner Lebensplanung, meiner Arbeit vereinbaren? Zahlt die Krankenkasse die Therapie oder kann ich sie notfalls selbst bezahlen? Wie sind meine Rechte hier? Hat der psychologische Berater Abendsprechstunden, denn tags&uuml;ber bin ich ja im B&uuml;ro?&ldquo;</p> <p>Und das sind nur einige Fragen, die sich der Laie stellt, der der k&uuml;nftige Klient ja meist ist. Als Psychologischer Berater denkt man &uuml;ber die besondere Situation vor dem Erstkontakt m&ouml;glicherweise aus Routine nicht (mehr) nach; der Klient hingegen schon. Meist sogar sehr intensiv und auch &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum.</p> <p>&bdquo;Es ist ein Gesetz im Leben:&nbsp;<br /> Wenn sich eine T&uuml;r vor uns schlie&szlig;t,&nbsp;<br /> &ouml;ffnet sich eine andere.&nbsp;<br /> Die Tragik jedoch ist, dass man meist&nbsp;<br /> nach der geschlossenen T&uuml;r blickt&nbsp;<br /> und die ge&ouml;ffnete nicht beachtet.&ldquo;</p> <p>Zwischen dem ersten Impuls, sich an einen Psychologischen Beraters wenden zu wollen, und dem wirklichen Handeln, dem konkreten Besuch bei einem Berater, vergehen oft gro&szlig;e Zeitspannen. Einer meiner Klienten sagte einmal sinngem&auml;&szlig;: &bdquo;Ihre Anzeige in der Zeitung hatte ich schon vor langer Zeit ausgeschnitten und zu Hause an meine Pinnwand geheftet. Immer wenn ich daran vorbeikam, sagte ich mir, dass ich zu Ihnen gehen werde. Immer wieder habe ich es hinausgeschoben. Immer wieder Gr&uuml;nde gefunden, warum ich gerade heute nicht anrufen werde. Nun hat es doch fast ein Jahr gedauert, bis ich mich &uuml;berwunden habe &ndash; nun bin ich in Ihrer Praxis und froh sowie sehr stolz &uuml;ber meinen Entschluss!&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wir werden vom Schicksal hart&nbsp;<br /> oder weich geklopft;&nbsp;<br /> es kommt auf das Material an.&ldquo;</p> <p>Nach all den hier beschriebenen Hemmnissen, die einen Besuch bei einem Psychologischen Berater vereiteln k&ouml;nnen, bekommt dieser Spruch eine tiefere Bedeutung:</p> <p>&bdquo;Wohin du auch gehst,&nbsp;<br /> gehe mit deinem ganzen Herzen.&ldquo;</p> <p>Das genau ist es, was ich oftmals erlebe: eine gro&szlig;e Erleichterung beim Klienten, allein schon durch das &Uuml;berwinden aller H&uuml;rden bis zum ersten Kontakt in der therapeutischen Praxis. Mit offener Bereitschaft, ganzem Herzen und festem Willen, nun die &bdquo;eigentlichen&ldquo; Probleme mutig anzugehen.</p> <p>Wenn also der Klient &ndash; endlich &ndash; in der Praxis angekommen ist, hat er bereits eine Menge &bdquo;H&uuml;rden&ldquo; genommen. Dies sollte man unbedingt wertsch&auml;tzen, wie ich meine. Wenn er dann auch noch eine starke intrinsische Motivation mitbringt, steht einer guten Zusammenarbeit zwischen &bdquo;mutigem&ldquo; Klienten und &bdquo;seinem&ldquo; Psychologischen Berater nichts mehr im Weg!</p> <p><strong>Passend dazu, meine Frage an Sie:</strong><br /> &bdquo;Haben Sie sich schon einmal ehrlich gefragt, wie viel Widerstand Sie noch von Ihrem ersten Besuch bei einem Psychologischen Berater abh&auml;lt?&ldquo;</p>