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Steuerliche Handhabung/Jahresabschluss Auflösung GbR

| Preis: 100 € | Bilanz
Beantwortet von Steuerberater Knut Christiansen

Guten Abend Herr Christiansen,

Betriebswirtschaftlich musste unsere kleine GbR (Textilhandel) nach 5 Jahren aufgelöst werden. Die ursprüngliche Einlage der zwei Gesellschafter betrug 20.000 EUR und kann mangels Masse nicht ausbezahlt werden. Die Fragestellungen betreffen den Steuerabschluss, sprich Gewinnermittlung und Feststellungserklärung.

Erste Frage:
In der AfA stehen noch folgende Posten:

Geschäfts-Firmenwert
Anschaffungskosten 10.685,78 EUR, Nutzungsdauer 16 Jahre, Restwert 7.420,64 EUR

DPMA Markenanmeldung
Anschaffungskosten 300,00 EUR, Nutzungsdauer 15 Jahre, Restwert 227,00 EUR

Beides hat nun keinen wirtschaftlichen Nutzen/Wert mehr. Nach meinem Verständnis ist eine Sonderabschreibung aufgrund der Auflösung nicht möglich, da es sich um immaterielle Güter handelt und nicht um Bewegliche. Was kann man tun?

Zweite Frage:
Der Warenbestand der Textilien (Einstands-/Lagerwert) beträgt 2.850 EUR (Auflösebilanz), kann dieser als materiale (Teil-) Auszahlung der Einlage an einen Gesellschafter übertragen werden und was darf steuerlich beachtet werden?

Alternativ, kann dieser auch zum Einstandswert an einen der Gesellschafter verkauft werden, der dann dieses weiter in Form eines Einzelunternehmens ab verkauft. Wobei dann die Übertragung via Verkauf und Rechnungslegung berücksichtigt werden darf. Spricht etwas gegen solch ein quasi Insichgeschäft?

Dritte Frage
Die Einlage - siehe oben - erfolgte seinerzeit in bar, kann dieser Verlust, aufgrund mangels Masse der Rückzahlung in irgendeiner Form steuerlich berücksichtigt werden?
Ich weiß, dass in der Feststellungserklärung zumindest über die Ursprungseinlage eine Angabe gemacht werden darf.

Besten Dank


Guten Morgen und vielen Dank für Ihre Anfrage bei yourXpert, die ich im Rahmen einer Erstberatung gerne wie folgt beantworten möchte.

Erste Frage:
In der AfA stehen noch folgende Posten:

Geschäfts-Firmenwert
Anschaffungskosten 10.685,78 EUR, Nutzungsdauer 16 Jahre, Restwert 7.420,64 EUR

DPMA Markenanmeldung
Anschaffungskosten 300,00 EUR, Nutzungsdauer 15 Jahre, Restwert 227,00 EUR

Beides hat nun keinen wirtschaftlichen Nutzen/Wert mehr. Nach meinem Verständnis ist eine Sonderabschreibung aufgrund der Auflösung nicht möglich, da es sich um immaterielle Güter handelt und nicht um Bewegliche. Was kann man tun?

Grundsätzlich ist bei Betriebsaufgabe der Aufgabegewinn zu ermitteln, indem u.a. nicht veräußerte Wirtschaftsgüter ins Privatvermögen übernommen werden und mit dem Teilwert anzusetzen sind. Davon abzusetzen wären dann die Restbuchwerte des Betriebsvermögens. Ein Firmenwert kann jedoch nicht privatisiert werden, so dass auch ein Entnahmewert nicht angesetzt werden kann. Ein späterer (unwahrscheinlicher) Verkauf des Firmenwertes würde zu nachträglichen Betriebseinnahmen führen. Da kein Ertrag aus der Entnahme anzusetzen ist, entsteht durch den Abzug der Restbuchwerte somit zunächst einmal ein Verlust in Höhe der Restbuchwerte.

Zweite Frage:
Der Warenbestand der Textilien (Einstands-/Lagerwert) beträgt 2.850 EUR (Auflösebilanz), kann dieser als materiale (Teil-) Auszahlung der Einlage an einen Gesellschafter übertragen werden und was darf steuerlich beachtet werden?

Alternativ, kann dieser auch zum Einstandswert an einen der Gesellschafter verkauft werden, der dann dieses weiter in Form eines Einzelunternehmens ab verkauft. Wobei dann die Übertragung via Verkauf und Rechnungslegung berücksichtigt werden darf. Spricht etwas gegen solch ein quasi Insichgeschäft?

Wird der Warenbestand nicht verkauft, so ist der Teilwert als Entnahmewert zzgl. Umsatzsteuer anzusetzen. Da aber in gleicher Höher auch wiederum der Restbuchwert abgezogen wird, entsteht dadurch auch kein Gewinn. Die zu zahlende Umsatzsteuer kann in diesem Zusammenhang als Veräußerungskosten abgezogen werden. Somit wäre diese auch neutral (so wie es sein soll).

Ein Verkauf an einen Gesellschafter im Rahmen der Abwicklung ist auch möglich. Auch hier fällt dann Umsatzsteuer an. Die Folgen der Gewinnauswirkung sind dann die selben, wie eben beschrieben.

Dritte Frage
Die Einlage - siehe oben - erfolgte seinerzeit in bar, kann dieser Verlust, aufgrund mangels Masse der Rückzahlung in irgendeiner Form steuerlich berücksichtigt werden?
Ich weiß, dass in der Feststellungserklärung zumindest über die Ursprungseinlage eine Angabe gemacht werden darf.

Es kann sein, dass sich ggfs. schon Verluste der Einlage in den Vorjahren steuerlich ausgewirkt haben. Das wäre der Fall, wenn bereits früher Verluste entstanden sind, die die damalige Einlage aufgezehrt haben (Minderung des Eigenkapitals). Diese Verluste werden dann im Jahr der Verlustentstehung schon einkommensteuerlich berücksichtigt. Dennoch kann es sein, dass ein weiterer Verlust durch Betriebsaufgabe entsteht (siehe Frage 1). Das Ergebnis wird vereinfacht dargestellt, wie folgt ermittelt:

Erträge aus Entnahmen und Verkäufen
./. Entnahme von Verbindlichkeiten
= Saldo
./. Wert des Betriebsvermögens zum Zeitpunkt der Aufgabe (= Eigenkapital)
= Aufgabegewinn/-verlust

Hier können Sie folgendes erkennen:

Wenn Sie sämtliche Werte zum Buchwert entnehmen, würde sich im Ergebnis ein Betrag von 0,- EUR ergeben. Es werden keine stillen Reserven oder stillen Lasten aufgedeckt.

Wenn die entnommenen Werte (oder verkauften Werte) höher sind als die Buchwerte, dann realsieren Sie die im Betriebsvermögen steckenden stillen Reserven. Es würde ein Aufgabegewinn entstehen. Das passiert häufig, wenn z.B. Immobilien oder auch Fahrzeuge im Betriebsvermögen enthalten sind. Diese werden meistens schneller abgeschrieben als der tatsächliche Wertverlust entsteht (wenn das bei Immobilien überhaupt passieren kann). Dadurch entstehen dann in den laufenden Jahren höhere Betriebsausgaben.

Wenn die Werte weniger wert sind, als sich im Eigenkapital darstellt, realisieren Sie quasi stille Lasten und decken Verluste auf (wie mit dem Firmenwert).

Ich hoffe Ihre Frage damit beantwortet zu haben, sonst stellen Sie gerne kostenfreie Rückfragen ein.

Abschließend bedanke ich mich für eine positive Bewertung, wenn Sie mit der Beratung zufrieden sind.

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass dieses Forum eine ausführliche und persönliche steuerliche Beratung nicht ersetzen kann, sondern vor allem dafür gedacht ist, eine erste steuerliche Einschätzung zu ermöglichen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen könnte die rechtliche Beurteilung Ihres Anliegens anders ausfallen.

Mit freundlichen Grüßen

Knut Christiansen
Steuerberater

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