Dieser Artikel behandelt folgende Themen:

  1. Wann es Sinn macht, den Hund zu scheren

  2. Schadet das Scheren dem Fell des Hundes?

  3. Warum das Fell zwischen den Ballen entfernt werden sollte

  4. Warum es Sinn macht den Po und Intimbereich des Hundes zu scheren

  5. Warum der Bart des Hundes Pflege benötigt

  6. Warum die Augen stets von Fell befreit werden sollten

1. Es gibt viele Gründe mit seinem Hund zum Hundefriseur zu gehen. Sei es rassebedingt durch langes Fell, das gekürzt werden muss oder struppiges Fell, das ordentlich aussehen soll oder getrimmt werden muss. Sei es, dass sich der Hund dem unwiderstehlichen Duft von Schafsmist nicht entziehen konnte und sich genüsslich darin gewälzt hat und nun gebadet werden muss oder auch einfach, weil es zu warm draußen ist und der dicke Pelz runter muss. Die Palette der Möglichkeiten ist unendlich. Doch heute möchte ich mich einem ganz speziellen Bereich meiner spannenden, abwechslungsreichen Arbeit widmen: Den Alten und Kranken.

Besonders im Sommer kann man älteren, herzkranken Hunden, Hunden mit Wasser in der Lunge und Atemproblemen, aber auch Hunden mit dickem Fell oder mit Gelenkproblemen wie Arthrose, Spondylose, HD oder Lahmheiten schnell Erleichterung verschaffen, indem man Ihnen das wärmestauende Fell entfernt. Dies sollte natürlich möglichst stressfrei geschehen und in einem dem Gesundheitszustand des Hundes angemessenen Zeitraum. Gerade bei diesen Patienten ist es darum sehr wichtig, ruhig und geduldig mit ihnen umzugehen, um unnötige Belastungen und Aufregung zu vermeiden. Hunde mit schmerzenden Gelenken, die nicht mehr lange stehen können, sollten im Liegen oder einer anderen für sie bequemen Position frisiert werden. Ob der Halter beim Frisieren dabei sein sollte, hängt vom Verhalten des Hundes ab. Einige Hunde regen sich fürchterlich auf, wenn ihr Mensch neben ihnen am Tisch steht und versuchen ständig bei ihm auf den Arm zu klettern, so dass der Scherprozess und damit die Dauer des Stresses enorm verlängert wird. In diesem Fall ist dem Besitzer zu raten den Frisiersalon zu verlassen und die Zeit zu nutzen, um einzukaufen oder gemütlich einen Kaffee zu trinken.

Andere Hunde verzweifeln total, wenn ihr Besitzer nicht dabei ist, liegen dann aber sofort entspannt auf dem Tisch, wenn Herrchen oder Frauchen sie liebevoll am Kopf krault, so dass es hier natürlich sinnvoll ist, wenn der Halter dabei bleibt. Von Fall zu Fall sollte individuell entschieden und der Erfahrung und den Ratschlägen des Hundefriseurs Vertrauen geschenkt werden.

2. Oft werde ich von Kunden gefragt, ob man denn wirklich alle Rassen scheren darf. Sie haben dann meist im Internet gelesen oder vom Züchter erfahren, dass das Scheren bestimmter Rassen absolut tabu ist, da es schwere Folgen für das Fell haben könne und die „natürliche Klimaanlage“ des Hundes zerstört werde.

Meine Antwort darauf ist stets folgende:

Bei der Zucht wird oft nicht einmal darauf geachtet, dass ein Hund vernünftig atmen kann (z.B. Mops, Französische Bulldogge,usw.), dass er keine schwerwiegende Probleme beim Laufen hat (Labrador, Schäferhund, etc.) oder dass sein Herz richtig funktioniert (Dogge, Dalmatiner, usw.). Warum sollte dann irgendjemand darauf achten, ob das Fell des Hundes für eine gute Belüftung sorgt?. Es gibt also demnach keine Klimaanlage im Fell des Hundes. Es gibt Fell, das wasserabweisender als anderes oder dichter als anderes ist. Aber es gibt kein Fell, das nichts desto trotz geschoren werden darf. Eine Ausnahme könnte Fell sein, das getrimmt wird, wie beispielsweise das von verschiedenen Terriern, Schnauzen und einigen anderen Rassen. Dazu ist jedoch zu sagen, dass es trotzdem kein Drama ist dieses Fell, besonders bei alten, kranken oder besonders stressanfälligen Hunden zu scheren. Die Veränderung eines Trimmfells, das trotzdem geschoren wird, sind die Farbe, die ausbleicht (rot wird beige und schwarz wird grau) und die Festigkeit der Haare. Das sonst drahtige Fell wird dann sehr flauschig und weich. Aber bei jedem liebenden Hundehalter sollte das Aussehen seines Hundes erst an zweiter Stelle nach der Gesundheit und dem Wohlergehen seines vierbeinigen Gefährten stehen. So kann ich nur dringend dazu raten, bei kranken und sehr gestressten Tieren die zeitlich kürzere Variante zu wählen: das Scheren (30 - 75 Minuten, Trimmen: 60 - 180 Minuten).

Das geschorene Fell wächst dann in der Regel innerhalb von zwei bis 6 Monaten wieder auf seine ursprüngliche Länge nach und der Hund sieht wieder aus wie vor der Schur. Nur sehr selten (unter 1 %) verstärkt sich bei kastrierten Hündinnen das sogenannte Kastratenfell. Dies ist lockiges, flauschiges Fell im Oberschenkelbereich, werlches das optische Erscheinungsbild verändern kann. Bisher habe ich von allen Haltern geschorener Hunde, die sich im Sommer vor lauter Hitze gar nicht mehr bewegen wollten, gehört, dass ihr Hund danach wieder aktiver und bewegungsfreudiger war. Hunde die nicht mehr gespielt haben, spielten wieder. Einige Hunde hüpften danach sogar wieder herum, wie junge Hunde. Ich kann deshalb immer nur raten, testen Sie es aus und überzeugen Sie sich selbst!

3. Ein häufiges Problem lahmender Hunde, ist das Fell zwischen den Ballen und Zehen. Oft nagen sie sich auch die Pfoten oder haben keinen Halt mehr auf glatten Böden. Das Fell neigt dazu zu verfilzen oder richtig harte Klumpen zu bilden, so dass es Schmerzen verursacht, ähnlich dem unangenehmen Druck, den wir verspüren, wenn wir einen Stein im Schuh haben. Darum ist es immer wichtig, darauf zu achten, die Pfoten frei von Fell zu halten. Unter den Fellverklumpungen an den Pfoten sind diese oft richtig entzündet oder es bildet sich juckender Hautpilz. Ein regelmäßiges Entfernen beugt diesen Problematiken vor und erleichtert dem Hund das Laufen.

4. Aus hygienischen Gründen, sollte das Fell am Po und am Geschlecht des Tieres schön kurz gehalten werden. So vermeidet man, dass das Fell dort mit Kot oder Urin verklebt. Haben sich erst einige Verhärtungen gebildet, kommt es zu immer größeren Filzplatten, in denen Kot und Urin hängen bleiben. Besonders im Sommer lockt dies schnell Fliegenmaden an, die sich dort einnisten und wortwörtlich anfangen den Hund von hinten aufzufressen.

Besonders bei Hunden mit Darmproblemen, die häufiger als andere zu Durchfall neigen, sollte das Fell am Po regelmäßig entfernt werden. Dabei ist zu beachten, dass es bei Hunden mit empfindlicher Haut nicht zu kurz geschoren werden darf. Im geschorenen Bereich kommt es bei diesen Hunden sonst häufiger zu Ausschlag und sie lecken sich dort wund. Teilen Sie Ihrem Hundefriseur am besten direkt mit, falls Sie einen empfindlichen, zu Hautproblemen neigenden Hund haben, damit dieser entsprechend korrekte Maßnahmen ergreifen kann.

5. Besitzen Sie einen Schnauzer, Bouvier, Briard, Foxterrier oder eine der ebenfalls tollen, bärtigen Rassen, dann sind Sie nicht nur Besitzer eines wunderschönen Hundes, sondern wissen sicherlich auch, dass im Bart Ihres Hundes gerne jede Menge hängen bleibt. Sei es Futter, Erde, Sand, Dreck, Schlamm oder einfach nur die Feuchtigkeit nach dem Trinken. All diese Dinge sorgen für einen optimalen Bakterien- und Schimmelherd, weshalb der Bart regelmäßig gekämmt werden sollte. Zudem können die Haare in den Mundwinkeln prima komplett entfernt werden. Dies sieht man optisch gar nicht, sorgt aber für wesentliche Erleichterung bei der Bartpflege. Zum Test können Sie den Bart Ihres Hundes sorgfältig abtasten und auch einmal daran riechen. Sie sollten keinerlei Verhärtungen spüren und auch keinen Geruch wahrnehmen. Andernfalls können Sie sich Hilfe und Rat bei Ihrem Hundefriseur holen, da sich dann oft schon Schimmel im Fell gebildet hat, welcher Ihren Hund zum Beispiel mit wiederkehrenden Durchfällen und Erbrechen krank machen kann.

6. Wer kann dem süßen Hundeblick schon widerstehen? Doch damit Sie den niedlichen Augenaufschlag Ihres Hundes auch gut sehen können, müssen Sie natürlich dafür sorgen, dass die Augen frei von Haaren sind. Doch nicht nur der Schönheit wegen, ist das Entfernen des Fells vor den Augen wichtig. Oft neigen besonders langhaarige Hunde zu tränenden Augen, so dass das Fell vor diesen verklumpt und keine Luft mehr an die Haut lässt. Dadurch entstehen Entzündungen auf der Haut an den Augen, die man unter dem verklebten Fell gar nicht wahrnimmt. Diese führen aber dazu, dass der Hund mit den Pfoten an den Augen reibt, wodurch es wiederum zu einer richtigen Augenentzündung kommen kann. Augenentzündungen können auch durch lange Haare entstehen, die ständig auf dem Auge reiben und so Reizungen der Hornhaut verursachen.

Die Augen dienen auch dem Sozialverhalten der Hunde untereinander, denn einen Hund anstarren oder den Blick abwenden, sind für Hunde ganz eindeutige Zeichen. Kann der andere Hund diese Zeichen durch dichtes Fell vor den Augen nicht wahrnehmen, sind Probleme vorprogrammiert.

Ist Ihr Hund taub, ist es besonders wichtig, die Augen frei zu halten, damit er, wenn er schon nicht hören kann, wenigstens seine Augen benutzen kann, um sich zu orientieren.

Wichtig zu beachten ist jedoch, dass nicht bei allen Hunden das Fell an den Augen zu kurz geschnitten werden darf, da einige Rassen es zum Schutz der Augen vor Wind, Sonne und Schmutz besitzen. Bei welchen Rassen dies zutrifft, fragen Sie gerne Ihren Hundefriseur.

Ich hoffe, das Lesen dieses Artikels war für Sie informativ und unterhaltsam. Bei Fragen können Sie mich gerne kontaktieren oder direkt einen Termin vereinbaren.

Ihre

Alexandra Stück