Ein schönes Wortbild: Fertig zum Schlagen. Genauer gesagt müsste es „Fertig zum Zurückschlagen“ heißen, denn dieses Privileg kommt nie dem Angreifer zugute, sondern nur dem, der originell erwidert. Hier geht es um ein rhetorisches Duell, in dem geklärt werden soll, wer wem überlegen ist. Das Drehbuch ist stets das Gleiche: Der Angreifer sagt in voller Absicht etwas Unziemliches gezielt zu einem Anwesenden vor Publikum.  Der Angesprochene ist zunächst perplex und damit zunächst in der Defensive. Er kann nun schweigen, was manchmal nicht das Schlechteste wäre, oder retournieren. Antwortet er, kann er die Zuhörer auf seine Seite ziehen, indem er weitaus origineller antwortet oder in die Meta-Kommunikation, eine darüberstehenden Gesprächsebene, ausweicht oder auf dem gleichen niedrigen Niveau antwortet, das der Angreifer vorgegeben hat. Von letzterem wäre abzuraten.

Nehmen wir als Angriffssatz: „Sie haben doch überhaupt keine Ahnung.“

Je kürzer nun die Antwort ausfällt, desto wirkungsvoller trifft sie.

Eine originelle Replik könnte sein: „Kennen Sie sich da aus?“

Meta-Kommunikation à la Vicco von Bülow: „Ach was.“

Unter der Gürtellinie: „Das sagt man eigentlich über Sie.“

Das Schöne an der Schlagfertigkeit ist, dass viele Situationen über Standard-Antworten gekontert werden können. Man kann diese Phrasen verinnerlichen und ganz nach Geschmack abrufen.

Eine unmaßgebliche Sammlung:

Hört, hört.

… sagt wer?

Ist das ihr Ernst?

Woher wollen Sie das wissen?

… sagt der Experte.

Guter Witz.

Das wusste ich noch gar nicht.

Das sage ich auch immer, wenn ich nicht weiter weiß.

Netter Versuch.

Neue Erkenntnis.

Ich bin beeindruckt.

Nun zu etwas Wichtigem.

Danke für Ihren überragenden Beitrag.

Was wären wir ohne Sie?

Gut, dass wir darüber gesprochen haben.

Geben Sie den Glauben nicht auf.

Bleiben Sie mir weiterhin gewogen.

Schön wär’s ja.

Seien Sie nicht so bescheiden.

Es geht aber auch anders, indem man den Angreifer rhetorisch vor sich hertreibt und in eine Verteidigungsposition zwingt. Das funktioniert nur über eine konsequente Fragetechnik:

Was meinen Sie konkret?

Haben Sie denn einen besseren Vorschlag?

Wie begründen Sie das denn?

Wo liegt denn mein Denkfehler genau?

Können Sie das mal präziser darlegen?

Auf die dann folgenden Argumente muss man nicht einmal eingehen, sondern kann gezielt weiter fragen:

Haben Sie das mal durchgerechnet?

Wie kommen Sie denn auf diese Zahlen?

Haben sie das wirklich geprüft?

Wie denn? Mit welchen Daten?

Ist das Ergebnis mit der Buchhaltung abgestimmt?

Und warum haben Sie das nicht gemacht?

Der Vorteil dieser Methode ist der pädagogische Langzeiteffekt. Der Angreifer wird sich hüten, sich erneut von Ihnen vor versammelter Mannschaft rhetorisch zerlegen zu lassen.

Es lohnt also, sich in stiller Stunde ein passgenaues Kompendium an „fertigen Schlägen“ anzulegen.